Linea­re Struk­tu­ren (Ges­tik)

(Sil­va Lade­wig)

Line­ar Struc­tures

Linea­re Struk­tu­ren bezeich­nen die inter­ne Struk­tur von Ges­ten und Ges­ten­kom­bi­na­tio­nen (ges­ti­sche Dar­stel­lungs­wei­sen). Die­se kön­nen ver­schie­de­ne Kom­ple­xi­täts­gra­de und hier­ar­chi­sche Mus­ter ges­ti­scher Ein­hei­ten auf­wei­sen. So kön­nen Ges­ten aus meh­re­ren Pha­sen bestehen, wie bei­spiels­wei­se aus der Vor­be­rei­tungs­pha­se (pre­pa­ra­ti­on) und der bedeu­tungs­tra­gen­den Pha­se (stro­ke), die unter dem Begriff der Ges­ten­phra­se (ges­tu­re phra­se) zusam­men­ge­fasst wer­den. Eine Ges­ten­phra­se und eine Rück­zugs­pha­se (retrac­tion) erge­ben nach Ken­don (1980) eine Ges­ten­ein­heit (ges­tu­re unit). Nicht jede Ges­te muss aus die­sen Pha­sen bestehen. Ein­zel­ne Pha­sen kön­nen fal­len gelas­sen oder mit­ein­an­der ver­bun­den wer­den wie Bres­sem & Lade­wig (2011) zei­gen. Eine Ges­te besteht jedoch stets aus einem stro­ke, also einer bedeu­tungs­tra­gen­den Pha­se. Ist die­se nicht vor­han­den, gibt es kei­ne Ges­te. Nach Mül­ler, Bres­sem & Lade­wig (2013) kön­nen Ges­ten auch grö­ße­re Struk­tu­ren bil­den – so genann­te Ges­ten­sze­na­ri­os. Hier wer­den auf­ein­an­der­fol­gen­de Ges­ten durch eine mime­ti­sche Ver­bin­dung zusam­men­ge­hal­ten. Das heißt, ver­schie­de­ne Ges­ten sind auf­ein­an­der bezo­gen, da sie Facet­ten einer Situa­ti­on oder eines Ereig­nis­ses dar­stel­len.

Die Ein­tei­lung in Ges­ten­pha­sen ist zur Unter­su­chung kom­ple­xer ges­ti­scher Ein­hei­ten wich­tig, die an pro­to-syn­tak­ti­sche Struk­tu­ren erin­nern wie bei­spiels­wei­se Fri­cke (2012) zeigt, oder um den simul­ta­nen Gebrauch einer Ges­te und einer lexi­ka­li­schen Ein­heit prä­zi­se bestim­men zu kön­nen.

Lite­ra­tur

  • Bres­sem, Jana  & Lade­wig, Sil­va H. (2011), Rethin­king ges­tu­re pha­ses – arti­cu­la­to­ry fea­tures of ges­tu­ral move­ment? Semio­ti­ca  184: 1/4, 53–91.
  • Fri­cke, Ellen (2012), Gram­ma­tik mul­ti­modal. Ber­lin: Mou­ton de Gruy­ter.
  • Ken­don, Adam (1980), Gesti­cu­la­ti­on and speech: two aspects of the pro­cess of utter­an­ce. In: Key, Mary R.  (Hrg.), Non­ver­bal Com­mu­ni­ca­ti­on and Lan­guage. The Hague: Mou­ton, 207–227.
  • Mül­ler, Cor­ne­lia, Bres­sem, Jana & Lade­wig, Sil­va H. (2013), Towards a grammar of ges­tu­re: A form-based view. In: Mül­ler, Cor­ne­lia; Cien­ki, Alan; Fri­cke, Ellen;  Lade­wig, Sil­va H.; McN­eill, David & Tes­sen­dorf, Sedin­ha (Hrsg.), Body – Lan­guage – Com­mu­ni­ca­ti­on. An Inter­na­tio­nal Hand­book on Mul­ti­moda­li­ty in Inter­ac­tion (Hand­books of Lin­gu­is­tics and Com­mu­ni­ca­ti­on Sci­ence 38). Ber­lin, Bos­ton: De Gruy­ter Mou­ton, 707–733.

(Mehr zu die­sem The­ma im Modul 2 Kogni­ti­ve Lin­gu­is­tik der Mul­ti­lin­gua Aka­de­mie)

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